Stadtbad Steglitz

Die Landgemeinde Preußen erwarb 1904 vom Papierfabrikanten Max Krause das Gelände.  Der Gemeindevorsteher Buhrow, der Gemeindebaurat Richard Blunck und die Bäderkommission trieben die Arbeiten voran, so dass die Bauzeit nur anderthalb Jahre betrug und am 08. Juli 1908 eröffnet wurde. Man war sich in der größten Landgemeinde Preußens durchaus darüber bewusst, mit dieser Einrichtung der benachbarten Hauptstadt um einiges voraus zu sein. Es entstand eine Schwimmhalle mit einem stattlichen Bassin von 21 mal 9 Metern aus marmorgefaßten Überläufen, in das man über eine breite ebenso marmorne Treppe hin einschreiten konnte oder man sprang unter der gegenüberliegenden Kuppel über ein Sprungbrett in 2,80 m Tiefe ins Wasserbecken. 

Das Stadtbad verfügte über eine Wannen- und Brauseabteilung, die mit ihrem russisch-römischen Bad, mit ihren elektrischen Lichtbädern, Massagebänken und Therapiekabinen vom Feinsten war und außerdem modernstem Standard entsprach. Ursprünglich war noch ein zweites Becken für Frauen vorgesehen, welches jedoch aus Kostengründen nicht verwirklicht wurde . 1913 bekam das Stadtbad dafür eine Heilbäderabteilung für Frauen.

In der Hungersnot während des 1.Weltkrieges wurde das Stadtbad 1916 zur Nutzung als Lebensmitteldepot geschlossen und mit der Schaffung von Groß-Berlin rückte die im Bezirk nach wie vor beabsichtigte Erweiterung des Stadtbades außerhalb der Prioritätensetzung des Magistrats. 1919 ging der Betrieb in der Heil-und Wannenabteilung und ein Jahr später im Hallenbad weiter. Das Stadtbad erhielt 1928-1931 eine Erweiterung eines viergeschossigen Vorderhauses, in dem sich ein Friseur, die Bäderverwaltung und Wohnungen befanden. Zu einer erneuten Schließung, aufgrund von Kohlemangel, kam es zwischen 1940 und 1944. Das Jugendstilschwimmbad steht seit 1982 unter Denkmalschutz und wurde 2002 geschlossen.

Noch heute lässt sich der sakrale Charakter der Schwimmhalle mit ihrer kuppelförmigen Apsis nachfühlen. Wassertiere schmücken die kunstvoll geschmiedeten Geländer. Ein besonderes Erlebnis vermittelte das russisch-römische Bad. Sein Tauchbeckenraum mit römischen Rundbögen, Wandmosaiken und kunstvoll verzierten Säulen ist das Schmuckstück der Anlage. Alles ist in einem sehr guten Zustand. Gabriele Berger erwarb das Stadtbad Steglitz im Jahre 2004, und seitdem fanden hier Kulturveranstaltungen statt. So sorgten Konzerte, Ausstellungen, Führungen und Lesungen für ein Hauch an Leben im ehemaligen Stadtbad.

Am 31. Dezember 2014 fiel der letzte Vorhang für das Clubtheater Berlin im Stadtbad Steglitz. Die Ära als Theaterspielstätte endete damit.


Standort: Berlin / Germany

Eigentümer: BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH

Bauherr: Gemeinde Steglitz

Architekt: Blunck, Richard / Freymueller, Fritz

Fotograf: Denny Müller

Status: Leerstand

Quelle: Bauwelt 22 (1931) 5 / Seite Beilage S. 3, "Bäderbau in Berlin" Uta Maria Bräuer, Jost Lehne / Wikimedia Foundation Inc.

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