Stadtbad Steglitz

Als der Gemeindevorsteher Buhrow nach eineinhalbjähriger Bauzeit mit zufriedener Miene am 8. Juli 1908 das neue Stadtbad vorstellte, war man sich in der größten Landgemeinde Preußens durchaus darüber bewusst, mit dieser Einrichtung der benachbarten Hauptstadt um einiges voraus zu sein. Es entstand nämlich nicht nur eine Schwimmhalle mit einem stattlichen Bassin von 9 mal 21 Metern aus marmorgefaßten Überläufen, in das man über eine breite ebenso marmorne Treppe hin einschreiten konnte oder unter der gegenüberliegenden Kuppel über ein Sprungbrett in 2,80 m Tiefe je nach Talent hin einsprang, nein, es wurde abgesehen von der obligaten Wannen- und Brauseabteilung eine Heilbäderabteilung präsentiert, die mit ihrem russisch-römischen Bad, mit ihren elektrischen Lichtbädern, Massagebänken und Therapiekabinen vom Feinsten war und außerdem modernstem Standard entsprach.

In der Hungersnot während des 1.Weltkrieges wurde das Stadtbad zur Nutzung als Lebensmitteldepot geschlossen und mit der Schaffung von Groß-Berlin rückte die im Bezirk nach wie vor beabsichtigte Erweiterung des Stadtbades außerhalb der Prioritätensetzung des Magistrats. Das Jugendstilschwimmbad steht seit 1982 unter Denkmalschutz und wurde 2002 geschlossen.

Noch heute lässt sich der sakrale Charakter der Schwimmhalle mit ihrer kuppelförmigen Apsis nachfühlen. Wassertiere schmücken die kunstvoll geschmiedeten Geländer. Ein besonderes Erlebnis vermittelte das russisch-römische Bad. Sein Tauchbeckenraum mit römischen Rundbögen, Wandmosaiken und kunstvoll verzierten Säulen ist das Schmuckstück der Anlage. Alles ist in einem sehr guten Zustand. Gabriele Berger erwarb das Stadtbad Steglitz im Jahre 2004, und seitdem fanden hier Kulturveranstaltungen statt. So sorgten Konzerte, Ausstellungen, Führungen und Lesungen für ein Hauch an Leben im ehemaligen Stadtbad.

Am 31. Dezember 2014 fiel der letzte Vorhang für das Clubtheater Berlin im Stadtbad Steglitz. Die Ära als Theaterspielstätte endete damit.


Standort: Berlin / Germany

Eigentümer: BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH

Bauherr: Gemeinde Steglitz

Architekt: Blunck, Richard / Freymueller, Fritz

Fotograf: Denny Müller

Status: Leerstand

Quelle: Bauwelt 22 (1931) 5 / Seite Beilage S. 3, Wikimedia Foundation Inc.

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