"KdF-Seebad" Prora

Das Seebad Prora ist ein zwischen 1935 und 1939 geplantes und zum Teil auch errichtetes Seebad auf Rügen, das als Ortsteil zu Binz gehört. Die für das Seebad Prora benötigten Flächen wurden durch die KdF-Organisation bereits 1935 von Malte von Putbus erworben und liegt auf der Ostseeinsel Rügen zwischen den Orten Sassnitz und Binz an der Prorer Wiek, einer weitläufigen Meeresbucht, auf der so genannten Schmalen Heide (mit der Prora, einer bewaldeten Hügelkette), die den Kleinen Jasmunder Bodden vom Prorer Wiek der Ostsee trennt.

Der Auftrag zur Errichtung des Seebades wurde nach einer Ausschreibung im Februar 1936 an den Architekten Clemens Klotz (1886–1969) erteilt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Mai 1936, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Ausschreibung für das Bauvorhaben noch lief. Der Termin war aber bewusst so früh gewählt worden, weil es sich um den symbolträchtigen dritten Jahrestag der Gewerkschaftszerschlagung handelte. Die eigentlichen Arbeiten begannen erst ein halbes Jahr später. In den drei Jahren zwischen 1936 und 1939 wurden die acht Gästeblöcke errichtet. Die Planungen sahen vor, für die Unterbringung der Urlauber acht jeweils 550 Meter lange, sechsgeschossige, völlig gleichartige Häuserblocks mit insgesamt 10.000 Gästezimmern zu errichten. Durch diese langgestreckte, über etwa fünf Kilometer entlang der Küstenlinie reichende Bauweise sollte erreicht werden, dass alle Zimmer Meerblick hatten, während die Flure zur Landseite hin gelegen waren.

Die geplante Ausstattung der nur 2,5 mal 5 Metern großen Zimmer, von denen jeweils zwei mittels einer Tür verbunden werden konnten, war an heutigen Maßstäben gemessen recht karg: zwei Betten, eine Sitzecke, ein Schrank und ein Handwaschbecken. Weitere sanitäre Einrichtungen fanden sich jeweils in den landwärts gerichteten Treppenhäusern der Blocks. Alle Gästezimmer sollten über Lautsprecher verfügen.

Bei Kriegsbeginn 1939 wurden die Bauarbeiten weitgehend gestoppt. Mit Ausnahme eines Blocks waren die acht Wohnblöcke, die südliche Festplatzrandbebauung und die Kaianlage bereits im Rohbau fertiggestellt, nicht verwirktlicht wurden jedoch die Schwimmbäder, die Festhalle und weite Teile der Wirtschaftsgebäude.

Nach seiner Fertigstellung sollten hier durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Die Organisation sollte durch Projekte wie den KdF-Wagen und preisgünstigen Urlaub den Lebensstandard der Bevölkerung heben. Neben Kreuzfahrten auf KdF-eigenen Schiffen war der Bau von insgesamt fünf Seebädern für jeweils 20.000 Personen geplant, die es der Bevölkerung ermöglichen sollten, jeweils zwei Wochen im Jahr Urlaub zu machen. m Krieg diente die Anlage als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen und ein Polizeibataillon. 1943 wurden Teile der südlichen Blocks ausgebaut, um Ersatzquartiere für im Rahmen der Operation Gomorrha ausgebombte Hamburger zu schaffen.

Ab 1944 diente Prora der Wehrmacht als Lazarett und gegen Ende des Krieges fanden dort auch Flüchtlinge aus den Ostgebieten eine Bleibe. Als ab Mai 1945 die Sowjetunion die Kontrolle auf Rügen übernahm, wurde die Anlage zur Internierung von Grundbesitzern und weiterhin zur Unterbringung von Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten genutzt. Teile der Anlagen wurden für den Abtransport als Kriegsreparationen demontiert. Zwischen 1948 und 1953 wurden die Bauten von der Roten Armee genutzt, die den südlichsten Rohbau sprengte und abtrug. An den beiden nördlichsten Häuserblocks wurden ebenfalls Sprengübungen durchgeführt. Die Bauten wurden dabei aber nur schwer beschädigt und blieben teilweise stehen. Stationiert war hier die sowjetische 13. Panzerjäger-Brigade.

Die nach 1949 ebenfalls eingezogene Kasernierte Volkspolizei, aus der 1956 die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR hervorging, nutzte die Gebäude als Kaserne und erklärte das umliegende Gebiet zum Sperrgebiet. Die entsprechenden Umbauten waren 1956 abgeschlossen, danach wurden in Prora bis zu 10.000 Soldaten stationiert. In dem Komplex befand sich die Militärtechnische Schule „Erich Habersaath" der NVA, außerdem wurden seit 1981 Soldaten aus politisch befreundeten Entwicklungsländern wie Angola und Mosambik an der Offiziershochschule für die Ausbildung ausländischer Militärkader „Otto Winzer" ausgebildet. Von 1960 bis 1982 war hier auch das Luftsturmregiment 40, ein Eliteverband der NVA Landstreitkräfte, disloziert. In den 1980er Jahren waren in Prora bis zu 500 Bausoldaten zeitgleich stationiert, die beim Bau des in der nördlichen Umgebung des Objektes gelegenen Fährhafens Mukran arbeiteten. Der südlichste Teil der Anlage stand Angehörigen von NVA und Grenztruppen als Erholungsheim (benannt nach Walter Ulbricht), Campingplatz, Kinderferienlager und Ferienort zur Verfügung.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 übernahm die Bundeswehr den Komplex, stellte die Nutzung Ende 1992 ein und verließ Prora. Seit Anfang 1993 ist die Anlage öffentlich zugänglich. 1994 wurde der Komplex als eine der größten Hinterlassenschaften des NSDAP-Regimes unter Denkmalschutz gestellt. Da es der Bundesvermögensverwaltung zunächst nicht gelang, die unter Denkmalschutz stehenden Bauten zu verkaufen, wurden an weiten Teilen der Anlage nur die unbedingt erforderlichen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Ansonsten wurden die leerstehenden Bauten dem Verfall und Vandalismus preisgegeben.

Eine Ausnahme hiervon bildete zunächst nur der Block 3, Prora Mitte, der die Museumsmeile Prora mit einem KdF-Museum (Museum Prora), Museum der NVA, Rügen-Museum und diversen Sonderausstellungen, die Bildergalerie Rügenfreunde und ein Wiener Kaffeehaus beherbergt. Ein von Joachim Wernicke betriebenes „Museum zum Anfassen“ wurde 2004 geschlossen, ebenso das dort ansässige Boxsportmuseum. Zwischen 1993 und 1999 befand sich hier die größte Jugendherberge Europas, ab 2002 das One World Camp Youth Hostel. Im Jahr 2011 wurde eine neue Jugendherberge im nördlichsten Teil des Komplexes (Block V) eröffnet.

2007 bezog das PRORA-ZENTRUM Bildung – Dokumentatation Forschung einen provisorischen Workshop- und Ausstellungsraum bei der heutigen Jugendherberge (Block V), wo es historisch-politische Bildungsarbeit betreibt, Ausstellungen zeigt und Rundgänge durch das historische Gelände veranstaltet. Getragen durch den Verein sollte 2011 eine Bildungs- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Kaserne eröffnet werden, wobei das Auswahlverfahren zugunsten des Vereins umstritten war. Seither widmet sich Prora-Zentrum auch der DDR-Geschichte, so etwa einer Ausstellung zu den Proraer Bausoldaten. Das geplante Bildungszentrum kam bislang nicht zustande, seit 2016 betreibt der Verein seine Ausstellung im ehemaligen Wachgebäude vor Block V und den auf Betreiben der Initiative Denk-MAL-Prora unter Denkmalschutz gestellten letzten Arrestzellen aus der Zeit des Militärstandortes. Mittlerweile ist auch Block V, unter Maßgabe der Schaffung einer Gedenk- und Bildungsstätte, zur Privatisierung vom Kreistag freigegeben.

Seit 2004 wurden weitere Blöcke der Anlage einzeln veräußert. Am 23. September 2004 wurde Block VI für 625.000 Euro an einen unbekannten Ersteigerer veräußert. Block III, die ehemalige Museumsmeile, wurde am 23. Februar 2005 an die Inselbogen GmbH verkauft, die in der Folgezeit den Betreibern der dort ansässigen Museen kündigte und eine Nutzung als Hotel- und Kulturbetrieb ankündigte. Im Oktober 2006 wurden die Blöcke I und II an die Prora Projektentwicklungs GmbH in Binz veräußert. Diese hatte Block I schon im Vorfeld an den österreichischen Investor Johann Christian Haas verkauft, der die finanziellen Mittel bereitstellte. Der Bebauungsplan wurde gemeinsam entwickelt. Die Pläne der neuen Eigentümer sahen in den beiden Blöcken südlich der jetzigen Museumsmeile vor allem Wohnungen vor. Für das Erdgeschoss war eine Mischung aus Kultur, Kunst, Gastronomie, Kleingewerbe und Einkaufsmöglichkeiten geplant.

Nach Abschluss der Planungen und Erreichung der Planungssicherheit verkaufte Haas Block I erneut. Bei einer Auktion am 31. März 2012 wurde die Immobilie von einem Berliner Investor für 2,75 Millionen Euro erworben. Im November 2006 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem Landkreis Rügen einen Kaufvertrag über Block V abgeschlossen. Der Landkreis Rügen beabsichtigte in Block V mit finanzieller Unterstützung von Bund, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der EU die Errichtung einer Jugendherberge mit ca. 400 Betten für das DJH. Ein internationaler Jugendzeltplatz mit 250 Plätzen ist seit September 2007 geöffnet.

Am 15. März 2008 eröffnete auf dem 3,7 Hektar großen Küstenwald-Areal des Komplexes ein Hochseilgarten. Insgesamt wurden 460.000 Euro in den Bau der neuen Sportanlage investiert. Im nördlichen Teil des Komplexes (Block V) wurde in fünf aneinandergrenzenden Gebäudeteilen im Juli 2011 die schon lange geplante große Jugendherberge mit 402 Betten in 96 Zimmern eröffnet und im November 2011 wurde der letzte von fünf Blöcken durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an einen privaten deutschen Investor verkauft. Im September 2016 wurde in einem Bürgerentscheid in der Gemeinde Binz der Bau eines 104 Meter hohen Wohnturms mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

Ein privater Investor wollte hinter den Bauten des Seebads mit dem Bücherturm Binz genannten Projekt das höchste Haus der Insel Rügen errichten. Kritiker hatten eine Verschandlung des Ortsbildes und Nachahmungseffekte in anderen Teilen der Insel befürchtet. Das die Sanierung ausführende Unternehmen, die „Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG“, eine Tochterfirma des Unternehmens „Irisgerd“, hat im August 2018, als bei weitgehender Fertigstellung das Bankdarlehen nicht verlängert wurde, den vorläufigen Insolvenzantrag gestellt.

Bis 2022 rechnet die Gemeinde Binz mit der Sanierung aller fünf Prora-Böcke, die später Platz für 2000 Anwohner und 3500 Touristen bieten soll. Block 2 ist bereits fast komplett saniert, hier gibt es schon seit drei Jahren das Hotel Solitaire.


Standort: Mecklenburg-Vorpommern / Germany

Eigentümer: Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG

Bauherr: KdF-Organisation

Fotograf: Denny Müller

Status: saniert

Quelle: Bundesarchiv, Wikimedia Foundation Inc.

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