Postamt SW 11

Mit dem Bau der Nord-Süd S-Bahn und der beiden Briefgroßverteilungsanlagen am Anhalter Bahnhof und Stettiner Bahnhof gelang der Reichspost in den 1930-er Jahren die Neuordnung und Zentralisierung des Postverkehrs in Berlin. An den wichtigsten und verkehrsreichsten Bahnhöfen Berlins wurde je ein Postamt mit Großverteileranlage errichtet. Die Planungen für das Postamt SW 11 am Anhalter Bahnhof leitete Kurt Kuhlow von der Reichspostdirektion Berlin. Der erste Bauabschnitt an der Möckernstraße konnte zwischen 1933 und 1934 in nur wenigen Monaten fertiggestellt werden.

In den Jahren 1935/1936 erweiterte Kuhlow in Zusammenarbeit mit Georg Werner das Gebäude mit einem fünfgeschossigen Bau, der mit Muschelkalk und Travertin verkleidet und durch mehrere Pfeiler gegliedert ist. Eine Ecke dieses Bauteils ist abgerundet und führt die Gliederung durch die Pfeiler weiter. Das Gebäude war als Sitz des Großbriefverteileramts SW 11 konzipiert, zuständig für die Briefverteilung im südlichen Berlin. Die unteren drei Geschosse waren ausschließlich der Unterbringung der mechanischen Abwicklung des Briefverteilungsgeschäftes vorbehalten, im dritten Obergeschoss befand sich die notwendigen Geschäftsräume sowie ein größerer Reserveraum. Eine Reihe von Aufzügen und ein Doppelpaternoster sorgten neben den vier Treppenhäusern für die Verbindung zwischen den einzelnen Geschossen. Das vierte Geschoss enthielt außer einem großen Erfrischungsraum mit anschließendem Sportraum mehrere Dienstwohnungen. Im Zusammenhang mit dem Erfrischungsraum ist im Dachgeschoß ein größerer Dachgarten für die Erholungspausen der Gefolgschaft eingerichtet worden.

Das Amt galt seinerzeit als weltweit größte Einrichtung ihrer Art. Die Anbindung zum Anhalter Bahnhof geschah über einen Tunnel. Als Verbindung mit dem zweiten großen Berliner Verteilamt im damaligen Stettiner Bahnhof diente die neue Nord-Süd-Linie der Berliner S-Bahn (heutige Linien S1 und S2). Nach der Teilung Berlins leitete die Einrichtung ab 1962 als „Postamt 11“ die Briefverteilung des gesamten Westteils der Stadt. Nach dem Mauerfall war das Gebäude den steigenden Anforderungen nicht mehr gewachsen und das Postamt 11 wurde Mitte der 1990er Jahre aufgelöst. Seine Aufgaben übernahm das Briefzentrum 10 im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Nach einer Renovierung wurde dort im März 2013 das Wyndham Grand Hotel Berlin Potsdamer Platz eröffnet. Das in der Architektur des Nationalsozialismus gestaltete Bauwerk ist eines von wenigen erhaltenen Großgebäuden in Kreuzberg aus der NS-Zeit und steht unter Denkmalschutz.

Berliner Postbezirke (ab 1862)

Die Berliner Postbezirke wurden durch eine Anweisung des Kaiserlichen Generalpostamtes aus dem Jahre 1873 festgelegt. Ausgehend vom Hofpostamt Königstraße Ecke Spandauer Straße wurde damit das damalige Stadtgebiet von Berlin in neun Postbezirke eingeteilt, die nach Himmelsrichtungen der jeweiligen Bahnhöfe benannt wurden:

Plan der Berliner Postbezirke von 1873

Berlin C = Centrum

Berlin N = Norden = Stettiner Bahnhof

Berlin NO = Nordosten

Berlin NW = Nordwesten = Hamburger Bahnhof

Berlin O = Osten = Schlesischer Bahnhof

Berlin S = Süden

Berlin SO = Südosten = Görlitzer Bahnhof

Berlin SW = Südwesten = Anhalter Bahnhof

Berlin W = Westen = Potsdamer Bahnhof

Zu den Postbezirken kam später noch die Nummer des jeweiligen Zustellpostamtes. Diese Kennzeichnungen waren von 15. Mai 1862 bis zur Einführung der vierstelligen Postleitzahlen die postalischen Ortsbezeichnungen der Berliner Innenstadt. Bis dahin galt die Nummer der Stadtpost-Expedition als Zustellbezirk.


Standort: Berlin / Germany

Eigentümer: InterContinental Hotels Group (IHG)

Bauherr: Oberpostdirektion Berlin

Architekt: Kuhlow, Kurt / Werner, Georg

Fotograf: Denny Müller

Status: Saniert

Stand: 2018

Quelle: Wikimedia Foundation Inc.

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