Tuesday, 27 June 2017

Spreepark

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Der im nördlichen Teil des Plänterwalds an der Spree gelegene Spreepark im Bezirk Treptow mit einer Fläche von 29,5 ha wurde am 4. Oktober 1969 als "Kulturpark Berlin" eröffnet. Er war der einzige ständige Vergnügungspark der DDR und nach der Wende auch der einzige Gesamt-Berlins. Eine besondere Attraktion war vor allen Dingen zu DDR-Zeiten das 45 Meter hohe Riesenrad. Dieses hatte zu diesem Zeitpunkt 36 Gondeln, in denen insgesamt 216 Personen den Ausblick über Berlin genießen konnten. Das 1989 zum 40-jährigen Jubiläum der DDR neu errichtete 45 Meter hohe Riesenrad der niederländischen Firma Vekoma ist bis heute mit 40 Gondeln im Spreepark zu sehen. 

Der Volkseigene Betrieb VEB Kulturpark Berlin wurde 1991 vom gemischten Magistrat Berlin abgewickelt. Von insgesamt sieben Bewerbern erhält die Spreepark Berlin GmbH den Zuschlag. Unter der Spreepark GmbH entstanden einige neue Attraktionen und es wurde eine Besucherzahl von 1,5 Millionen Menschen erreicht. Später wurde das Konzept geändert. Der Park wurde schrittweise zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgestaltet. Die asphaltierte Fläche um das Riesenrad wurde aufgebrochen und in eine Wasserlandschaft umgewandelt. Auf den 21 Hektar, die der Park nutzte, wurden außerdem weitere Attraktionen, wie zum Beispiel Achterbahnen (davon eine mit Looping), zwei Wildwasserbahnen, eine Bühne für Shows, ein Westerndorf und ein englisches Dorf aufgebaut und in die Landschaft eingebettet. Seit 1999 hatte der Park mit großen Schulden zu kämpfen. Der gestiegene pauschale Eintrittspreis von knapp 30 DM pro Person und fehlende Parkplätze waren unter anderem Ursachen für den Besuchereinbruch. In der Saison 2001 kamen nur noch 400.000 Besucher. Im selben Jahr meldete die Spreepark GmbH & Co. KG Insolvenz an.

Seit dem Jahr 2002 ist der Park nicht mehr für Besucher geöffnet worden. Im August 2002 wurde der Park im Rahmen eines Insolvenzverfahrens abgewickelt. Es blieben Schulden in Höhe von 11 Millionen Euro übrig. Seitdem verwahrlost das Gelände zusehends. Der Zaun um das Gelände löst sich langsam auf, und es entsteht ein wilder Abenteuerspielplatz auf den Ruinen des einstigen Vergnügungsparks. Das Riesenrad steht zwar noch auf dem Gelände und erinnert an die alten Zeiten, drehte sich aber bis zum heutigen Tage nicht mehr. Dennoch wurde nach knapp 8 Jahren Stillstand das Riesenrad am 7. November 2009 zur Probe gedreht.

Im Oktober 2009 wurde bekannt, dass der bisherige Eigentümer Norbert Witte den Spreepark wiederbeleben wolle. Bis März 2010 sollte der Park wieder soweit intakt sein, dass eine TÜV-Abnahme hätte erfolgen können. Dazu waren bereits einige Fahrgeschäfte wieder in Betrieb gesetzt worden – allerdings ohne kommerziellen Erfolg, denn auch Anfang 2011 war der Park immer noch geschlossen.

Die Zukunft des Geländes und des Spreeparks ist ungewiss, da Anfang Juli 2013 ein Termin für eine Zwangsversteigerung des Spreeparks angesetzt wurde. Ein privater Investor bot 2,5 Mio Euro, jedoch wurde die Versteigerung von Finanzsenator Ulrich Nußbaum abgebrochen.

Private Zwischennutzer wie Eva-Maria Brück-Neufeld haben im Sommer 2012 im Park die Theaterproduktion Spuk unterm Riesenrad als Adaption der erfolgreichen DDR-Fernsehsendung direkt im Park vor rund 3500 Besuchern gezeigt. Bevor es nun zur Versteigerung des Areals kommt, wird die Theatergruppe vom 7. bis 30. Juni 2013 auf einer Bühne neben dem Riesenrad die Vorstellungen wiederholen. Man rechnet mit mehr als 5000 interessierten Besuchern.

Eine für Anfang Juli 2013 angesetzte Zwangsversteigerung und die Neuvergabe des Erbbaurechtspachtvertrages wurde überraschend abgesagt. Laut Medienangaben zufolge, wollte man verhindern, dass eine Firma den Zuschlag bekommt, die eigens für den Kauf des Geländes gegründet wurde.

Am 27. April 2014 fand die letzte Führung durch den alten Spreepark statt. Nach dem Rückkauf im März 2014 erhielt das Land Berlin das Gelände bis zum darauffolgenden Mai zurück. Land und Bezirk suchen nun nach einem neuen Nutzungskonzept, wobei der Bezirk erneut eine Nutzung als Freizeitpark favorisiert. Bezirksbürgermeister Oliver Igel verwies in einem Interview auf den Flächennutzungsplan. Es ist geplant auch das stark sanierungsbedürftige Eierhäuschen mit einzubeziehen, dass aus dem Erbbaurechtspachtvertrag herausgelöst werden soll.


Fotoaufnahmen: Atomhirsch / Wesenstein