Friday, 24 March 2017

Zentralinstitut für Funktechnik

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Zentralinstitut für Funktechnik (ZIF) - Laboratorien für Wellenausbreitung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 änderten sich die alten Strukturen der Reichspost. Dadurch das große Teile des Reichspostzentralamtes (RPZ) , mit Sitz in Berlin, in die Entwicklung von Nachrichtenmitteln für die Kriegswirtschaft eingebunden waren, sind diese nach dem Kriegsende eingeschränkt arbeitsfähig gewesen. So kam es in beiden Teilen Deutschlands zur einer zwangsläufigen Neubilduung mit ähnlicher Struktur. Im Osten Deutschlands wurde die Deutsche Post (DP) betraut. Für den Aufbau eines UKW-Rundfunksenders sowie eines VHF-Fernsehsendersnetzes war eine wissenschaftliche, technische Erforschung über die Wellenausbreitung notwendig und begann schon am Anfang der 50er Jahre. Diesem galt noch einen geeigneten Standort mit Gelände und Räumlichkeiten für diese Einrichtung zu finden.

Aufgrund von elektrischen Umgebungseinflüssen in der Millionenstadt Berlin entschied man sich bald nach längeren technischen Untersuchungen für das idylische Örtchen Kolberg. Der in der Nähe befindliche Kolberg überragt mit einer Höhe von 90,9 Metern über NN das flache Land. Für den Aufbau der ersten Laboratorien waren drei Villen am Südhang des Berges von der Gemeinde bereitgestellt worden. In der Villa "Haus Koplin" nahm man erstmals die Arbeit am 21. September 1952 im provisorischen Labor auf. Die Dienstbezeichnung des Laboratoriums war, angelehnt an die alte Traditionen der Rechspost, "Post und Fernmeldetechnische Zentralamt" (PFZ). Nach einigen Jahren kam es zur Umbenennung in "Zentral-Institut für Funktechnik" (ZIF). Die damalige Leitung besaß in der Anfangzeit der Physiker Heins Kusch mit dem Aufgabengebiet Wellenausbreitung für alle Wellenbereiche und führte Versuche zur Funkentstörung durch.

Die Kolberger Techniker beschäftigen sich, innerhalb der DDR, bis zur Wende 1990 mit den Aufgaben der gesamten Funknetzplanungen. Im Laufe der Zeit wurde selbst entwickelte und gebaute Geräte verwendet und darüber hinaus auch in der DDR produzierte, kommerzielle Empfänger, Richtfunk-Baugruppen und Messtechnik eingesetzt. Zur Installation eines Systems zur Untersuchung der Ausbreitungsmechanismen im UKW-Rundfunkbereich wurde in Kolberg 1953 ein 30 Meter hoher Stahlfachwerksturm errichtet. Diesen Turm demontierte man von seinen alten Standort in Königs Wusterhausen und baute ihn in Kolberg wieder auf. Er stellte im Ort mit seinen 20 Messantennen und der drehbaren, zweifach gestockte 6 Element Yagi Antenne eine imposante Erscheinung dar.

Ein Messplatz für die besonderen Belange der Funkentstörung wurde in rund 2 Kilometern Entfernung angelegt. Ein nahgelegener ein grosser Segelflugplatz bot sich den Kolberger Laboratorien für Freiraummessungen an. 1959 entstand von der Arbeitsgruppe Funkentstörung ein verbindliches Vorschriftenwerk. die Verantwort für den Bereich der Funkenstörung betraute man über all die Jahre Herr Dr. Winfried Knopf.

In den Jahren 1955-1958 erfolgte der größzügige Neubau des Forschungszentrums, das allen Laboratorien bessere Arbeitsmöglichkeiten bot. Dieser als eine Aussenstelle des "Betriebslaboratoriums für Rundfunk und Fernsehen" (BRF der Deutschen Post bezeichnete Gebäudekomples besaß einen aus steinen gemauerten Messturm von 28,5 Metern Gesamthöhe auf neun Etagen. Weitere Bauten für soziale Belange und Nebenaufgaben waren auf dem Gelände organisch mit dem Hauptgebäude über Arkaden verbunden.

Ab 1959 konnten in Kolberg aus erste Untersuchungen mittels Richtfunk Überhorizont Verbindungen durchgeführt werden. Die aus den erhaltenen Messkurven und Diagrammen gewonnenen Ergebnisse flossen in den sich ständig weiter ausdehnenden Richtfunk der DDR-Post ein.

Ab 1961 erhielt die Einrichtung der Deutschen Post den Namen "Rundfunk- und Fernsehtechnisches Zentralamt (RFZ), Außenstelle Kolberg". Der Hauptsitz des RFZ war in Berlin Adlershof, wo jedoch alle Sondergeräte für Rundfunk und Fernsehen der Deutschen Post entwickelt und gefertigt wurden. Zur weitergehenden Untersuchungen des tropophärischen Fernfeldes ist im Jahre 1963 ein 10,5 Meter Parabolspiegel errichtet worden.

In den 70er Jahren wuchs der Aufgabenbereich im Richtfunk weiter an. 150 Meter westlcih vom Hauptgebäude wurde deshalb 1974 ein 65 Meter hoher Stahlfachwerkrohrturm gebaut.

Nach dem Fall der Mauer traten in Kolberg viele Veränderungen ein, denn der Bedarf an weiterer aufwändiger Forschungsarbeiten war nicht mehr gegeben. Die Einrichtung wurde systematisch aufgelöst und Antennenhochbauten demontiert. Der Bereich Funkentstörung wurde als Bundesamt unter den Namen "Regulierungsbehörde Telekommunikation und Post" (RegTP) weitergeführt. Der Gebäudekomplex von 1958 ging in den Besitz der Deutschen Telekom über und beherbergte eine kleine Abteilung für Funknetzplanung.

Seit 2000 steht das unter denkmalgeschützte Gesamtensemble leer und wurde am 20. Juni 2010 in Berlin versteigert.

Fotoaufnahmen: Denny Müller