Tuesday, 27 June 2017

Kindl-Brauerei

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Am 1. Februar 1872 gründeten die Gastwirte Peter Joseph Linke, Philipp Jaeger, Ernst Baumbach, Franz Specht und Fritz Schmiedel, der Kaufmann Heinrich Mestern, der Bankdirektor Otto Swoboda und Bernhard Heßlein an der Hermannstraße 214, Ecke Rollbergstraße in Rixdorf die Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG. Ihr Ziel war es, untergäriges Bier zu brauen, obwohl daran schon Georg Leonhard Hopf und Kaufmann Fanta gescheitert waren. Mit ihrem Grundkapital von einer Million Thaler (preußisch Kurant) erwarben sie Grundstücke in der Berliner Straße/Jägerstraße, auf denen sie neben den für den Braubetrieb notwendigen auch Gebäude für Nebengeschäfte errichteten. Trotz unvollendeter Bauarbeiten wurde die Brauerei am 1. März 1873 eröffnet. Der erste Bierausstoß erfolgte am 17. März 1873. Nach der Umbenennung in Vereinsbrauerei Rixdorf gelang es 1889/1890, die angestrebte Produktion von einhunderttausend Hektolitern (hl) Bier zu erreichen. Am 17. Dezember 1910 beschloss die Generalversammlung der Vereinsbrauerei Rixdorf, ihren Namen in „Berliner Kindl Brauerei-Aktiengesellschaft" zu ändern.

Im Ersten Weltkrieg verschlechterte sich die Situation des Betriebs. Der Zweite Weltkrieg traf die Brauerei noch härter. Die Hälfte des Fuhrparks und viele Mitarbeiter wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Im Juni 1944 zerstörten Fliegerangriffe die in der Nähe des Flughafens Tempelhof gelegenen Brauereigebäude stark. Kriegsgefangene wurden zur Beseitigung der Trümmer und zum Abtransport des Bieres eingesetzt. So konnte schon im Juli der Betrieb wieder aufgenommen werden.Auch die Nachkriegsjahre verliefen für die Kindl Brauerei unerfreulich. Da Deutschland Reparationszahlungen an die Sowjetunion leisten musste, baute man weite Teile der Brauwerke ab und errichtete aus ihnen in Moskau eine neue Brauerei. Nur durch Tauschgeschäfte konnten die Anlagen wieder notdürftig errichtet werden. Diese zusammengeschusterte Anlage konnte schließlich 1947 ihren Betrieb wieder aufnehmen. Hierbei sei angemerkt, dass die ersten zwei Hektoliter am Tage der Wiedereröffnung von der Berliner Bürgerbräu Brauerei stammten. Auf Grund der Berliner Teilung vernachlässigte man die Werke in Weißensee und Potsdam. Stattdessen baute man die Abteilung I in Neukölln wieder auf. 1955 nahm der Betrieb Kredite bei deutschen Banken auf und erhielt amerikanische Aufbauhilfe. Dies und der Aufkauf der Schöneberger Schlossbrauerei (Bärenbier) im vorangegangenen Jahr sorgten für einen weiteren Aufschwung des Unternehmens. So erreichte man 1972 pünktlich zum 100. Jubiläum die ehemalige Rekordmarke von einer Million Hektoliter Kindl-Bier.

1988 erwarb die Radeberger Gruppe die Mehrheitsbeteiligung an der Berliner Kindl Brauerei AG. Da die Radeberger Gruppe bereits seit 1952 Brautochter der Oetker-Gruppe ist, wurde nun auch Berliner Kindl Teil des Oetker Konzerns. Die Potsdamer Brauerei wurde am 31. Dezember 2002 wieder geschlossen. Weiterhin beschloss die Konzernmutter Oetker 2005, die Abteilung I in Neukölln zu schließen und in die bereits 2004 gekaufte Schultheiss-Brauerei der Brau & Brunnen in Hohenschönhausen zu verlegen. Das ehemalige Sudhaus auf dem Gelände von 1926 bis 1930 steht teilweise unter Denkmalschutz und soll in jedem Fall erhalten bleiben.