Wednesday, 26 April 2017

Oskar-Helene-Heim

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Das Oskar-Helene-Heim war eine der größten orthopädischen Privatanstalten für Kinder und Jugendliche. Am 27. November 1905 gründeten Helene Pintsch und Konrad Biesalski im Haus der Eheleute Pintsch den „Krüppelkinder-Heil- und Fürsorge-Verein für Berlin-Brandenburg". Die großzügige finanzielle Unterstützung von einer halben Million Goldmark durch Oskar Pintsch über die „Oskar Pintsch Stiftung zur Förderung der Krüppelfürsorge" ermöglichte den Beginn des Baus der Heilanstalt. Es befand sich an der Clayallee in unmittelbarer Nähe des 1929 eröffneten U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim im Berliner Ortsteil Dahlem. Zehn Jahre hatten der Chirurg Konrad Biesalski und das Unternehmerehepaar Oskar und Helene Pintsch gearbeitet, um diese neue Heilanstalt für körperbehinderte Kinder zu schaffen. "Krüppelkinder" nannte man die kleinen Patienten, die nach Unfällen oder von Geburt an nicht richtig laufen konnten.

Es war international wegweisend und sollte in den folgenden Jahrzehnten Weltruhm erlangen. Am Oskar-Helene-Heim wurden erstmals Techniken der Wirbelsäulen- und Neurochirurgie erprobt, die noch heute praktiziert werden.Verwaltungs- und Erziehungsdirektor der Heilanstalt wurde Hans Würtz. Ab 1916 wurden im Oskar-Helene-Heim dann auch Kriegsversehrte versorgt. In den orthopädischen Werkstätten der Klinik wurden Prothesen aller Art erstellt. Bedeutend war die in der Klinik entwickelte erste künstliche Hand. 

Während des Ersten Weltkriegs wurde auf dem Gelände des Oskar-Helene-Heims ein Lazarett und 1918 eine Sonderabteilung für die Kriegsversehrten eingerichtet. Nachdem 1923 die langjährige Vereinsvorsitzende Helene Pintsch und 1930 Konrad Biesalski gestorben waren, wurde 1933 Hans Würtz gezwungen, das Oskar-Helene-Heim zu verlassen. Noch im selben Jahr tritt der Vorstand zurück. Zum ersten Vorsitzenden wird der spätere Reichsärzteführer Dr. Leonardo Conti ernannt. 1939 wurde ein Reserve-Lazarett eingerichtet, dem eine Sonderstation für „Ohnhänder" angegliedert wurde. Dem folgte die Eröffnung eines Waldhauses mit fünfzig Betten für Erwachsene und dreißig für Kinder im Jahr 1941. 1943 erfolgte die rechtzeitige Evakuierung der Klinik, denn das „OHH" wurde 1945 durch Brandbomben zu fünfzig Prozent zerstört.

Mit dem umfassenden Wiederaufbau wurde gleich nach Kriegsende begonnen. Der Verein erhielt einen Notvorstand und wurde durch die amerikanische Besatzungsmacht verwaltet. 1946 erfolgte die Übergabe in die Treuhänderschaft des Magistrats der Stadt Berlin. Nach der Neu-Konstituierung unter dem Namen „Verein Oskar-Helene-Heim Berlin-Zehlendorf e.V. (Vereinigung zur Hilfe für Körperbehinderte, gegründet durch Konrad Biesalski (1905))" erfolgte die allmähliche Wiederaufnahme des klinischen, schulischen und Werkstättenbetriebes. 1954 wurde das „OHH" „Orthopädische Universitätsklinik der Freien Universität Berlin". In den Fünfziger Jahren folgten zahlreiche Erweiterungen, so 1955 eine Sonderstation für Schwerbeschädigte, 1957 ein Pavillon für Spiel- und Beschäftigungstherapie, der Bau der Hydrotherapie und 1960 die Fertigstellung des Neubaus für die Kinderstation.

1966 wurde die Gründung der „Stiftung Oskar-Helene-Heim" beschlossen. Das Vermögen wurde im Folgejahr vom Verein auf die Stiftung übertragen, der Verein wird als Förderorganisation weitergeführt.

Im Jahr 2000 fusionierte die „Orthopädische Universitätsklinik Oskar-Helene-Heim" mit dem kommunalen Krankenhaus Zehlendorf (Behringkrankenhaus und Lungenklinik Heckeshorn) zur „Zentralklinik Emil von Behring". Der Klinikstandort wurde von der Clayallee auf das Gelände des Behringkrankenhauses in der Walterhöferstraße in Zehlendorf verlagert. Damit ging am 26. November 2000 eine Ära zu Ende, die Kaiserin Auguste Viktoria am 27. Mai 1914 einläutete, als das Oskar-Helene-Heim in Zehlendorf eingeweiht wurde. 

Das Klinikum führt seitdem den Namen „HELIOS Klinikum Emil von Behring". Die Stiftung hat die unternehmerische Tätigkeit eingestellt und konzentriert sich auf die Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Medizin.

Bis Mitte 2015 wird auf dem Gelände ein Gesundheitszentrum mit Wohnpark durch die Wohnkompanie Berlin realisiert.

 


Fotoaufnahmen: Denny Müller

Quelle: Wikipedia

Zustand: derzeitiger Abriss und Neugestaltung